Feuerwehr Waging übt Personenrettung nach einem Verkehrsunfall

2022-05-14 22:32:40 By : Mr. Richie Cai

Die sogenannte technische Hilfeleistung war in Deutschland ursprünglich keine originäre Aufgabe der Feuerwehren. Durch die rasant steigende Zahl neu zugelassener Kraftfahrzeuge wurde jedoch den Feuerwehren die Aufgabe der Unfallrettung übertragen. Diese technische Rettung erfolgte zunächst mit mechanischen Rettungsgeräten wie Trennschleifern. Erst die Verbreitung hydraulischer Rettungsgeräte seit Mitte der 1970er Jahre ermöglichte eine präzise einsetzbare Rettungstechnik. Unter dem Stichwort "patientengerechte Rettung" erfuhr die schonende Betreuung und die Rettung eingeklemmter Personen maßgebliche Bedeutung.

Feuerwehrfahrzeuge wie Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeuge, Geräte- oder Rüstwägen führen eine Reihe an Ausstattung mit, welche eine technische Hilfe ermöglichen. In der Öffentlichkeit am bekanntesten sind hydraulische Geräte wie die Rettungsschere und der Rettungsspreizer. Auch Mehrzweckzüge, Seilwinden, Rettungssägen oder sogenannte Rettungszylinder können je nach Einsatzlage eingesetzt werden. Hochdruck-Hebekissen sind das Mittel der Wahl, um schwere Lasten sicher zu heben. Bildtext einblenden Foto: Thomas Pfeffer, FF Waging am See

Im Rahmen mehrerer Einsatzübungen übte die Waginger Feuerwehr das Vorgehen bei derartigen technischen Hilfeleistungen. Ausbilder Stefan Maier organisierte ein Übungsszenario, welches den Übungsteilnehmern bis zum Eintreffen an der "Unfallstelle" nicht bekannt war - genau wie bei einem Einsatz in der Realität. Ausgangslage war ein Verkehrsunfall zwischen zwei Autos, bei denen insgesamt drei Personen eingeklemmt waren. Ein Fahrzeug befand sich dabei in Dachlage, der Fahrer war unter dem Auto eingeklemmt.

"Wichtig ist im Ernstfall eine patientengerechte Rettung, also das Zusammenwirken von medizinischer und technischer Rettung", so Stefan Maier. "Hauptziel ist es, die verunglückte Person in möglichst kurzer Zeit einer medizinischen Betreuung zuzuführen." Dabei wird jedoch im Einzelfall genau abgewogen, ob der verunglückten Person möglicherweise eine etwas längere Rettungszeit zugemutet werden kann, wenn dadurch eine Verschlimmerung eventueller Verletzungen vermieden werden könnte. Die nötigen Rettungsmaßnahmen werden immer auf den Gesundheitszustand des Patienten angepasst. Es gilt der Grundsatz: "So schnell wie nötig, so schonend wie möglich."

Wie Thomas Pfeffer, Pressesprecher der Feuerwehr Waging, erklärt, steht am Anfang immer die Erkundung der Einsatzstelle. Der Einsatzleiter oder auch die Gruppenführer der eingesetzten Feuerwehrfahrzeuge verschaffen sich so ein Bild der Lage und entscheiden, welche der eingetretenen Gefahren vorrangig beseitigt werden müssen. In Absprache mit dem Rettungsdienst wird im Regelfall eine schnelle Erstöffnung durchgeführt, durch welche der Notarzt oder der Rettungsdienst die Vitalfunktionen der Patienten überprüfen können. Das weitere Vorgehen und die technische Rettung wird dann gemeinsam abgesprochen. Möglichkeiten für eine derartige Erstöffnung, so Pfeffer, sind etwa das Entfernen der Türen oder auch ein Zugang über die Heckscheibe. Parallel dazu geht ein sogenannter "Innerer Retter" im verunglückten Fahrzeug vor. Dieser hat die Aufgabe das Unfallopfer zu beruhigen, über das weitere Vorgehen zu informieren, sowie den Innenraum beispielsweise nach Airbags zu erkunden.

Im Falle der aktuellen Übung der Feuerwehr erwähnte Organisator Stefan Maier, dass die Fahrzeuge mit Unterlegkeilen und Rüsthölzern gegen unbeabsichtigte Bewegungen gesichert wurden. Um zu den eingeklemmten Patienten vorzudringen, mussten die Fahrzeugtüren entfernt, die Frontscheibe durchtrennt und das Fahrzeugdach abgenommen werden.

"Alternativ könnte auch eine große Seitenöffnung an den Fahrzeugen geschaffen werden und die Eingeklemmten auf diese Art befreit werden", wie Maier erklärt. "Dies muss je nach Einsatzlage entschieden werden. Eine Musterlösung gibt es hierbei nicht und viele Wege führen nach Rom", wie er schmunzelnd erklärt. "Mit Hilfe von hydraulischen Rettungszylindern könnte auch der Motorraum nach vorne weggekippt werden, sodass die eingeklemmte Person befreit werden kann.“

Um eine Schädigung der Wirbelsäule zu vermeiden, wurde der Verletzte mit einem Spineboard, also einem Rettungsbrett, fixiert und schonend gerettet. Die Verletzten des zweiten Fahrzeuges konnten mittels der bereits erwähnten Hebekissen und Rettungszylinder befreit werden. Neben der technischen Rettung ist von der Feuerwehr auch auf auslaufende Betriebsstoffe zu achten und der Brandschutz am Unfallort sicherzustellen. Auch die Absicherung gegen den fließenden Straßenverkehr ist bereits am Anfang der Rettungsmaßnahmen zu beachten. Oftmals ist dies nur mit einer zeitweiligen Vollsperrung der Straßen möglich. Wie Thomas Pfeffer erwähnt, erfordern diese umfangreichen Tätigkeiten natürlich einen großen Personaleinsatz. Daher sind bei Verkehrsunfällen meist mehrere Einsatzfahrzeuge vor Ort, um die logistischen und technischen Aufgaben mit einem gewissen Personalaufwand abarbeiten zu können.

Die beiden Kommandanten Michael Schramke und Sebastian Kamml junior zeigten sich erfreut über das Vorgehen bei den Übungen. Auch die Jungen und Mädchen der Jugendfeuerwehr, die demnächst in den Einsatzdienst übertreten, waren an den Übungen beteiligt. So konnten auch sie erste Praxiserfahrungen sammeln. „Der ‚Kreativität‘ bei einer Personenrettung sind keine Grenzen gesetzt", so Stefan Maier abschließend. Gerade im Übungsbetrieb lassen sich viele Versuche durchführen, die letztlich der Qualität der Arbeit im Ernstfall zugutekommt.